SRF Relaunch – Das Fazit

Seit Sonntag, dem 16. Dezember 2012, arbeitet die SRG SSR in allen vier Landesregionen konvergent. Nachdem RTS (Radio Télévision Suisse, Romandie), RSI (Radiotelevisione Svizzera, italienisch-sprachige Schweiz) und RTR (Radiotelevisiun Svizra Rumantscha, rätoromanisch-sprachige Schweiz) am 29. Februar 2012 bereits alle ihre Radio und TV-Marken auf die neue, jeweilige Klammermarke angepasst haben, folgte nun auch die Umstellung in der Deutschschweiz. DRS hat ausgedient, neu sprechen wir von Radio SRF. Auch SF Schweizer Fernsehen gehört der Geschichte an: SF 1 ist nun SRF 1, der zweite Kanal nennt sich SRF zwei. Wir ziehen ein Fazit nach zwei Wochen im konvergenten SRF-Haus.

Ein Sinnbild für den SRF Relaunch: Auch das „Meteo“-Dach wird nicht verschont. (Copyright Michael Schmid)

Von DRS zu SRF

„Aus Amy Winehouse wurde Lana Del Rey. Aus den Jackson 5 wurde 77 Bombay Street. Aus Flordi wurde gar nichts und aus der CD ein Download. Aus dem Telefon wurde eine Polaroidkamera, aus der Post ein Kiosk und aus der Bushaltestelle ein Zeitungsständer. Euer Radio bleibt euer Radio. Es heisst neu SRF 3. Einen guten Start in die Zukunft“. SRF 3 wird gerade frisch geboren mit den Worten von Sonntagmorgen-Moderator Reeto von Gunten. Es ist etwas mehr als 7 Stunden her, als eben noch Michael Zezzi, CH-Special Moderator, das Nationalradio für eingefleischte DRS 3-Fans emotional verabschiedete: „Wir löschen das Licht und somit auch DRS 3. Morgen begrüsst euch dann Reeto von Gunten mit SRF 3. Bleibt uns treu. DRS 3 – Gute Nacht.“ Viele DRS-Hörer wollen sich mit den neuen Namen nicht abfinden. Spielt der Namenwechsel bei der SRF Musikwelle oder bei SRF Virus beispielsweise nicht so eine grosse Rolle, merkt man vor allem bei den nummerierten SRF-Sendern einen kleinen Widerstand unter der Hörerschaft. Auf Facebook ist gar eine Gruppe entstanden mit dem Namen „SRF 3 – Wir wollen DRS 3 zurück!“. Sie fragt: „Ist das wirklich ernst gemeint?“.

Man merkt: Die ganze Schweiz hängt sehr an DRS 1 & Co. und hat mit diesen Marken wohl auch einiges durchgemacht. Ich persönlich habe mich schnell an die neuen Namen gewöhnt und denke, dass ich da auch nicht der Einzige bin. Da in der SRF-Spendenwoche „Jeder Rappen zählt“ das Radio bei mir sowieso immer auf SRF 3 eingestellt war, hörte ich den neuen Namen zur Genüge. Zudem hat die Marketing-Abteilung des Schweizer Radio und Fernsehen Glanzarbeit geleistet: Praktisch nirgends findet man noch Einträge zu den alten Namen (ausser es handelt sich um Archiv-Material). Alle Wikipedia-Einträge, Facebook-Seiten und Twitter-Accounts wurden pünktlich umbenannt und angepasst. So konnte SRF auch Verwirrungen seitens der Hörerschaft geschickt aus dem Weg gehen.

Änderungen im Radio

Mit den neuen Namen und Logos schärfte Schweizer Radio und Fernsehen auch die Profile von Radio SRF 1 und SRF 2 Kultur. Nebst dem Musikprogramm wurden die Informationsleistungen bei Radio SRF 1 angepasst. SRF 2 Kultur hingegen will „mehr aktuelle Berichterstattung sowie Analyse und Vertiefung der Kultur-, Musik- und Wissens-Redaktionen“, wie aus einer Medienmitteilung zu lesen ist. Bei allen Radiosendern wurde dazu das Soundlayout, sprich die Jingles und Signete, angepasst. Bei einigen mehr, bei anderen weniger. Vor allem die bereits oben erwähnten Sender erfahren einen ziemlich neuen Anstrich. Bei SRF 1 wollte man das ganze Radio Design entschlacken. Vorhandene Elemente galt es herauszuschälen und zu stärken, so dass eine freundliche und warme Atmosphäre im Radio entstehen soll. SRF 2 Kultur erhielt eine neue Jingle Stimme, welche etwas leichter daherkommt. Die bisherige sei etwas bedeutungsschwer gewesen, sagte Thomas Gloor, Art Director SRF, gegenüber dem Echo der Zeit. Die neuen Signete sind gewöhnungsdürftig. Obwohl die jeweilige Melodie, die schon unter dem Namen DRS als Markenzeichen galt, mehr oder weniger erhalten blieb, ist das ganze Soundlayout neu und für treue Hörer ungewohnt. Auch ich habe meine liebe Mühe, mich an die neuen SRF 3 Signete zu gewöhnen. Aus meiner Sicht ist vor allem der Jingle vom Abendspiel „SRF 3 – oder nit?“ misslungen. Wo er früher noch mit einem peppigen Layout daherkam, stellt er jetzt aus meiner Sicht ein Stimmengewirr dar. Auf die Musik wurde fast komplett verzichtet.

Änderungen im Fernsehen

Doch nicht nur das Radio, sondern auch das Schweizer Fernsehen musste die bisherigen Namen und Logos anpassen. SF 1 nennt sich nun SRF 1, SF zwei wurde zu SRF zwei und der Infokanal heisst neu SRF info. Die Fernsehsender sind von den Änderungen allerdings nicht so stark betroffen. Bei SRF 1 fliegen immer noch die roten Pflöcke in der Gegend herum und vereinen sich zu einem grossen Pflock, bei SRF zwei schweben nach wie vor Menschen neben dem grossen, orangen „zwei“ und auch bei SRF info wirbeln noch immer orange-rote Würfel durch den Bildschirm. Die Programmvorschau wurde zwar minim angepasst, eine markante Umgewöhnung fürs Auge ist es aber nicht. Die News-Formate wurden schon am 29. Februar 2012 mit der Umstellung auf HD erneuert. Zudem kam die Marke SRF im TV schon relativ früh ins Spiel. Bei den Olympischen Spielen wurde beispielsweise unter der neuen Marke „SRF sport“ und nicht etwa „SF sport“ gesendet.

Die neue SRF Markenwelt (Copyright SRF)

Geglückter Webauftritt

Einen grossartigen Eindruck macht die neue, gemeinsame Webseite. Auf www.srf.ch sind nun alle Inhalte von Radio und Fernsehen zusammengelegt worden. Die Seite ist auf den Hauptthemen News, Sport, Kultur, Unterhaltung, Konsum, Gesundheit und Wissen & Digital basierend aufgebaut und bietet nebenbei weitere Services wie Meteo, Verkehr, TV- und Radio-Programm, Podcasts, den SRF Shop wie auch den SRF Player an. Auf letzterem finden die Hörer und Zuschauer alle ausgestrahlten Sendungen von Radio und Fernsehen. Der Aufbau der Webseite ist übersichtlich dargestellt. Auf der Startseite bildet das Herzstück eine Slide-Show: Bilder mit Titel und Text werden regelmässig nach einigen Sekunden gewechselt. Es sind vor allem Programmhinweise, die eingeblendet werden. Unter der Slide-Show sind jeweils pro Thema (News, Sport, Kultur etc.) drei bis vier Artikel-Vorschauen zu sehen. Diese sind in einer chronologischen Reihenfolge oder in der sogenannten „Social View“ zu betrachten. Sie zeigt diese Artikel auf, die bisher am häufigsten besucht, bewertet, geteilt und kommentiert wurden. Rechts der Webseite befindet sich zudem das aktuelle TV- und Radio-Programm.

Meteo, der SRF Shop, das TV-Programm wie auch „Über SRF“ wurden nicht in das neue Layout eingebunden. Es erscheint nachwievor im Design der früheren Webseite des Schweizer Fernsehens, sf.tv. Ob sich dies noch ändern wird, ist mir nicht bekannt. Ich hoffe es aber schwer, denn es ist ziemlich verwirrend. Weitere Kritikpunkte findet man auf der Webseite kaum. SRF hat sich hier mächtig ins Zeug gelegt. Am besten gefällt mir, dass nicht mehr nach Sendung, sondern nach Rubrik gearbeitet wird. So lassen sich spannende Artikel finden, auf die man vielleicht gar nie gestossen wäre.

Mit dem ganzen Rebranding wurden natürlich auch die mobilen Applikationen für Smartphones angepasst. Die App „SRF“ ist ein Abbild der Webseite. Es können alle Inhalte mobil gelesen und begutachtet werden. Zudem sind auch die Wetterprognosen verfügbar. Zwei wichtige Sachen jedoch fehlen: Radio-Programm wie auch Radio-Empfang und SRF Player. Dafür sind zwei weitere Applikationen vorgesehen, letztere ist bis anhin noch nicht in Apples App Store erschienen. Die App „Radio SRF“ bietet alles rund ums Radio: Man kann die sechs Programme empfangen, alte Sendungen nachhören und die aktuelle Programm-Übersicht abrufen. Alles in allem: Fulminanter Auftritt in der digitalen Welt seitens SRF.

Fazit

Mittlerweile sind über zwei Wochen vergangen und die Umgewöhnung an die neuen Namen war nicht so schlimm, wie ich im Vorfeld befürchtete. SRF 3 spielt nach wie vor sein bewährtes Musikprogramm und auf SRF 4 News hören wir immer noch Nachrichten am Laufband. Im Laufe der Zeit wird sich aber die Unterscheidung zwischen dem ersten Radio- und dem ersten Fernsehprogramm als Problem herausstellen. Beide nennen wir SRF 1. Im Dialog mit Bekannten habe ich schon einige Verwirrungen erlebt. Redet er jetzt vom TV oder Radio? Ein weiterer, noch grösserer Schwachpunkt vom Projekt „Konvergenz SRF“ sind die Kosten. Dabei meine ich nicht nur die 70’000 Franken, die offiziell als „Kosten für die Entwicklung der sechs neuen SRF-Radiologos“ kommuniziert wurden. Vielmehr sind da versteckte Kosten im Spiel, welche die Handelszeitung vor kurzem in einem Artikel hinterfragte. So habe SRF die Internet-Domain www.srf.ch von einer Privatperson für relativ viel Geld abgekauft. Zusätzlich fielen die Kosten für die Produktion neuer Jingles und Trailer an. Im Jahre 2010 wurde zudem das Rebranding durchgezogen – neue Logos auf Briefpapier, Visitenkarten und an Gebäuden: „Diese Kosten betrugen inklusive sämtlicher SRF-Unternehmenseinheiten SRF, RTS, RSI und RTR zwei Millionen Franken“, sagte Andrea Hemmi, Leiterin Unternehmenskommunikation SRF, gegenüber der Handelszeitung.

Auch wenn wir uns an SRF 1 & Co. gewöhnen werden, ist es fraglich, warum dafür so viel Gebührengeld ausgegeben wurde. Es gibt zu denken, wenn SRF eine Spendenwoche für Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser organisiert, aber selbst nur für eine Umbenennung hunderttausende Franken ausgibt.

Artikelbild: Copyright SRF/Oscar Alessio

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